Kurz gesagt: Seit dem 31. August 2026 können Unternehmen in 31 europäischen Ländern, darunter Deutschland, Österreich und die Slowakei, Werbung direkt in ChatGPT schalten. Die Anzeigen erscheinen unter der Antwort von ChatGPT, werden über sogenannte Context Hints statt Keywords ausgespielt und kosten mindestens 15 € pro Tag. Wir haben den Kanal auf unserem eigenen Konto getestet und zeigen unten die echten Zahlen.

Werbung in ChatGPT ist kein Randexperiment mehr. Laut OpenAI hat das Werbegeschäft von ChatGPT in weniger als 200 Tagen nach dem Start einen hochgerechneten Jahresumsatz von 1 Milliarde US Dollar erreicht. Im Oktober 2026 wurden Anzeigen laut OpenAI bereits in 89 Ländern verkauft und mehr als 100.000 Werbetreibende hatten die Plattform genutzt. Was steckt dahinter, wie funktioniert Werbung in einer KI-Unterhaltung, und lohnt sich ein Test schon jetzt?

Von den USA nach Europa in sechs Monaten

OpenAI hat Anzeigen in ChatGPT am 9. Februar 2026 in den USA gestartet. Ein halbes Jahr später folgte die größte Erweiterung seit dem Start: 31 europäische Länder. Seit dem 31. August 2026 steht der Self-Service Ads Manager auch europäischen Werbetreibenden zur Verfügung.

Spannend ist vor allem der Moment, in dem die Anzeige erscheint. In ChatGPT tippen Menschen selten zwei Keywords wie in Google. Sie beschreiben ihr Problem, ihre Anforderungen und ihr Budget und vergleichen dann Optionen. Genau in dieser Phase kann eine passende Anzeige erscheinen.

Wie funktioniert Werbung in ChatGPT?

ChatGPT beantwortet zuerst die Frage. Erst unter der Antwort kann eine klar als gesponsert gekennzeichnete Anzeige erscheinen, die sogenannte Chat Card. Sie enthält Markenname, Logo, Titel, einen kurzen Text, ein Bild und einen Link zur Landingpage. Die Limits sind streng: Der Titel darf höchstens 50 Zeichen haben (empfohlen sind 16 bis 24), der Anzeigentext höchstens 100 Zeichen.

Ein Beispiel: Jemand schreibt „Ich suche eine Buchhaltungssoftware für ein kleines Unternehmen, die Rechnungen und Lager kann.“ ChatGPT antwortet, und darunter kann die Anzeige einer passenden Buchhaltungssoftware erscheinen. Der Unterschied zu klassischer PPC Werbung liegt also nicht nur im Platz, sondern im Kontext, der der Anzeige vorausgeht.

Beispiel einer gesponserten Anzeige unter einer Antwort von ChatGPT
Beispiel einer Anzeige in ChatGPT. Quelle: OpenAI

Context Hints statt Keywords

Statt Keywords und Übereinstimmungstypen beschreibt der Werbetreibende in ganzen Sätzen, was er anbietet, wem er hilft und in welcher Situation er relevant ist. Bei einer Buchhaltungssoftware könnte ein Context Hint lauten: „Buchhaltungssoftware für wachsende Einzelhändler, die Online und Ladenverkauf verbinden müssen.“

OpenAI betont, dass Context Hints keine festen Targeting Regeln sind. Der Nutzer muss nicht denselben Satz schreiben, und ein Hint garantiert keine Ausspielung. Das System nutzt ihn als zusätzliches Relevanzsignal. Damit rückt die Werbung näher an Absicht und Situation des Nutzers als an ein einzelnes Wort.

Anzeigen beeinflussen die Antworten nicht

Laut OpenAI sind Anzeigen klar von den Antworten getrennt, und niemand kann dafür bezahlen, dass ChatGPT eine Marke in der Antwort selbst empfiehlt. Werbetreibende haben keinen Zugriff auf private Unterhaltungen. Für Unternehmen sind das zwei verschiedene Disziplinen: ChatGPT Ads bringen bezahlte Sichtbarkeit unter der Antwort, die Optimierung für die KI-Suche (GEO) erhöht die Chance, dass die KI Ihre Marke in der Antwort selbst nennt.

Wer sieht die Anzeigen?

Anzeigen sehen erwachsene Nutzer der Pläne Free und Go. Nutzer der bezahlten Pläne Plus, Pro, Business, Enterprise und Edu sehen keine Werbung. Nutzt Ihre Zielgruppe überwiegend bezahlte Konten, kann das Werbepublikum kleiner ausfallen.

Im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz gibt es zudem noch keine personalisierte Werbung. Eigene Zielgruppen (Custom Audiences) lassen sich hier weder für Targeting noch für Ausschlüsse nutzen. Ausgespielt wird nach Kontext der Unterhaltung, Land, Gerät und Relevanz des Angebots.

Was kosten ChatGPT Ads?

Posten Stand Oktober 2026
Mindestbudget (Konto in Euro) 15 € pro Tag, als Durchschnitt über 7 Tage
Realistischer Monatstest rund 450 € Werbebudget, Zahlung direkt an OpenAI
Abrechnung pro 1.000 Impressionen (CPM), pro Klick (CPC) oder Optimierung auf Conversions
Empfohlenes Maximalgebot bei CPC laut OpenAI etwa 3 bis 5 USD pro Klick als Startwert

Das empfohlene Maximalgebot ist weder ein Durchschnittspreis noch eine Garantie. Für verlässliche Benchmarks zu CPC, CTR oder Kosten pro Lead nach Branche gibt es in Europa noch zu wenige Daten. Die Zahlen aus verschiedenen Quellen gehen so weit auseinander, dass wir keine davon als allgemeinen Richtwert empfehlen würden.

Conversions lassen sich bereits messen

Die Plattform hat sich in wenigen Monaten stark entwickelt. Sie unterstützt den OpenAI Pixel und die Conversions API, mit denen sich Ereignisse nach dem Klick messen und für die Optimierung nutzen lassen, etwa Anfragen, Registrierungen oder Käufe. Zusätzlich lassen sich UTM Parameter an die Ziel-URL anhängen und der Traffic in Ihrer eigenen Analyse auswerten.

Unsere ersten Ergebnisse mit ChatGPT Ads

Weil es praktisch noch keine Benchmarks gibt, haben wir ChatGPT Ads zuerst auf dem eigenen Konto von Digitalman getestet, mit einer Kampagne für den slowakischen Markt.

Kennzahl Ergebnis (2. bis 15. September 2026)
Impressionen 9.229
Klicks 246
Klickrate (CTR) 2,67 %
Conversions 0
Kampagnenergebnisse von Digitalman im ChatGPT Ads Manager, September 2026
Quelle: eigene Daten von Digitalman, ChatGPT Ads Manager, 2. bis 15. September 2026

Diese Zahlen sind kein Benchmark: eine Kampagne, ein kurzer Zeitraum, eine kleine Datenbasis. Die Klickrate von 2,67 % zeigt aber, dass Nutzer auf gut formulierte Anzeigen im Chat durchaus reagieren. Dass es keine Conversion gab, zeigt umgekehrt, warum man einen neuen Kanal nicht nach zwei Wochen als „funktioniert“ oder „funktioniert nicht“ abstempeln sollte. Vor allem haben wir jetzt praktische Erfahrung damit, wie sich Kampagnen im Ads Manager aufsetzen lassen und welche Daten die Plattform liefert.

Neu im Herbst 2026

  • Sponsored Agents (seit 16. September, Test in den USA): Nach dem Klick startet der Nutzer eine eigene Unterhaltung mit einem Agenten der Marke und kann Fragen zum Produkt stellen.
  • Creative Optimierungen standardmäßig aktiv (seit Ende Oktober): ChatGPT darf Titel und Texte umschreiben, übersetzen, Bilder anpassen und die Ziel-URL ändern, ohne jede Version freizugeben. Die Funktion lässt sich deaktivieren, was wir bei Kunden mit strengen Vorgaben für Texte (Gesundheit, Finanzen, Recht) empfehlen.
  • Anzeigen bei der Bildgenerierung: ein neues visuelles Format, bisher als Test in den USA.
  • Neue Seite Conversions und weitere Tracking Partner wie AppsFlyer, Adjust, Branch oder Triple Whale.

ChatGPT Ads, Google Ads und Meta Ads im Vergleich

Kanal Hauptsignal Wann er den Kunden erreicht
Google Ads Suchbegriff und Keywords bei aktiver Suche
Meta Ads Zielgruppe, Verhalten, Inhalte beim Scrollen, ohne aktive Suche
ChatGPT Ads Kontext und Absicht der Unterhaltung beim Recherchieren, Vergleichen und Entscheiden

Wir sehen ChatGPT Ads derzeit nicht als Ersatz für Google Ads oder Meta Ads. Wenn diese Kanäle bei Ihnen funktionieren, ist es sinnvoller, ChatGPT Ads als zusätzlichen Testkanal aufzunehmen, statt Budget umzuschichten.

Lohnt sich ein Test schon jetzt?

Für manche Unternehmen ja, für andere noch nicht. Das größte Potenzial sehen wir bei Unternehmen, deren Kunden vor dem Kauf recherchieren und vergleichen: B2B Dienstleistungen, Software und SaaS, Onlineshops mit erklärungsbedürftigen Produkten, Bildung und teurere Produkte mit längerer Entscheidung. Fehlt dagegen eine gute Website oder sauberes Conversion Tracking, oder funktionieren die Grundkanäle noch nicht, löst ChatGPT Ads diese Probleme nicht.

Wir empfehlen einen kontrollierten Pilot von rund 90 Tagen: Tracking einrichten, mehrere thematische Anzeigengruppen anlegen und danach anhand eigener Daten entscheiden, ob Sie skalieren, anpassen oder stoppen. Auch die Erkenntnis, dass das Publikum zu klein oder die Klicks zu teuer sind, ist ein wertvolles Ergebnis.

Häufige Fragen zu ChatGPT Ads

Ist ChatGPT Ads in Deutschland und Österreich verfügbar?

Ja. Seit dem 31. August 2026 steht der Self-Service OpenAI Ads Manager Werbetreibenden in 31 europäischen Ländern zur Verfügung, darunter Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Wie hoch ist das Mindestbudget?

Bei einem Konto in Euro 15 € pro Tag als Durchschnitt über 7 Tage. Für einen Monat Test sollten Sie mit rund 450 € Werbebudget rechnen.

Sehen zahlende ChatGPT Nutzer Werbung?

Nein. Anzeigen sehen nur erwachsene Nutzer der Pläne Free und Go.

Kann ich in Europa mit eigenen Zielgruppen arbeiten?

Derzeit nicht. Im EWR und in der Schweiz gibt es noch keine personalisierte Werbung, das Targeting basiert auf Kontext, Land und Gerät.

Mehr dazu, wie wir Kampagnen aufsetzen, finden Sie auf unserer Seite zu ChatGPT Ads. Die ersten 60 Minuten der Beratung sind kostenlos: Erstgespräch buchen.

Quellen: OpenAI: ChatGPT ads expands across Europe, OpenAI Help: Ads in ChatGPT, the basics, OpenAI Help: Launch campaigns, OpenAI Help: Conversion measurement, OpenAI: Reimagining advertising with AI

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